Das Buch der Psalmen (Psalmen; Ps) » Jesus Christus
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Das Buch der Psalmen (Psalmen; Ps)

Psalmen 90-106

Ps 90-92 „Mosekomposition“
Ps 93-99 „Jahwe-König Psalmen“
Ps 101-106 „Davidkomposition“

Schlussdoxologie
106,48 Gelobet sei der HErr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen, halleluja!

Psalm 90
90,1 Ein Gebet Moses, des Mannes Gottes. HErr, Gott, du bist unsre Zuflucht für und für.
90,2 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit,
90,3 der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!
90,4 Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.
90,5 Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom; sie sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird,
90,6 das da frühe blüht und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und verdorrt.
90,7 Das macht dein Zorn, daß wir so vergehen, und dein Grimm, daß wir so plötzlich dahinmüssen.
90,8 Denn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.
90,9 Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.
90,10 Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.
90,11 Wer glaubt aber, daß du so sehr zürnest, und wer fürchtet sich vor solchem deinem Grimm?
90,12 Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden.
90,13 HErr, kehre dich doch wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig!
90,14 Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
90,15 Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden.
90,16 Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Ehre ihren Kindern.
90,17 Und der HErr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns; ja, das Werk unsrer Hände wolle er fördern!

Psalm 91
91,1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
91,2 der spricht zu dem HErrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
91,3 Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der schädlichen Pestilenz.
91,4 Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und deine Zuversicht wird sein unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
91,5 daß du nicht erschrecken müssest vor dem Grauen der Nacht, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,
91,6 vor der Pestilenz, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die im Mittage verderbt.
91,7 Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.
91,8 Ja du wirst mit deinen Augen deine Lust sehen und schauen, wie den Gottlosen vergolten wird.
91,9 Denn der HErr ist deine Zuversicht; der Höchste ist deine Zuflucht.
91,10 Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird zu deiner Hütte sich nahen.
91,11 Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
91,12 daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
91,13 Auf Löwen und Ottern wirst du gehen, und treten auf junge Löwen und Drachen.
91,14 „Er begehrt mein, so will ich ihm aushelfen; er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.
91,15 Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.
91,16 Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil.”

Psalm 92
92,1 Ein Psalmlied auf den Sabbattag.
92,2 Das ist ein köstlich Ding, dem HErrn danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster,
92,3 des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen
92,4 auf den zehn Saiten und Psalter, mit Spielen auf der Harfe.
92,5 Denn, HErr, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Geschäfte deiner Hände.
92,6 HErr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind so sehr tief.
92,7 Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr achtet solches nicht.
92,8 Die Gottlosen grünen wie das Gras, und die Übeltäter blühen alle, bis sie vertilgt werden immer und ewiglich.
92,9 Aber du, HErr, bist der Höchste und bleibest ewiglich.
92,10 Denn siehe, deine Feinde, HErr, deine Feinde werden umkommen; und alle Übeltäter müssen zerstreut werden.
92,11 Aber mein Horn wird erhöht werden wie eines Einhorns, und ich werde gesalbt mit frischem Öl.
92,12 Und mein Auge wird seine Lust sehen an meinen Feinden; und mein Ohr wird seine Lust hören an den Boshaften, die sich wider mich setzen.
92,13 Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum; er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon.
92,14 Die gepflanzt sind in dem Hause des HErrn, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen.
92,15 Und wenn sie gleich alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein,
92,16 daß sie verkündigen, daß der HErr so fromm ist, mein Hort, und ist kein Unrecht an ihm.

Psalm 93
93,1 Der HErr ist König und herrlich geschmückt; der HErr ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, soweit die Welt ist, und zugerichtet, daß es bleiben soll.
93,2 Von Anbeginn steht dein Stuhl fest; du bist ewig.
93,3 HErr, die Wasserströme erheben sich, die Wasserströme erheben ihr Brausen, die Wasserströme heben empor die Wellen.
93,4 Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; der HErr aber ist noch größer in der Höhe.
93,5 Dein Wort ist eine rechte Lehre. Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses, o HErr, ewiglich.

Psalm 94
94,1 HErr, Gott, des die Rache ist, Gott, des die Rache ist, erscheine!
94,2 Erhebe dich, du Richter der Welt; vergilt den Hoffärtigen, was sie verdienen!
94,3 HErr, wie lange sollen die Gottlosen, wie lange sollen die Gottlosen prahlen
94,4 und so trotzig reden, und alle Übeltäter sich so rühmen?
94,5 HErr, sie zerschlagen dein Volk und plagen dein Erbe;
94,6 Witwen und Fremdlinge erwürgen sie und töten die Waisen
94,7 und sagen: „Der HErr siehet’s nicht, und der Gott Jakobs achtet’s nicht.”
94,8 Merket doch, ihr Narren unter dem Volk! Und ihr Toren, wann wollt ihr klug werden?
94,9 Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?
94,10 Der die Heiden züchtigt, sollte der nicht strafen, – der die Menschen lehrt, was sie wissen?
94,11 Aber der HErr weiß die Gedanken der Menschen, daß sie eitel sind.
94,12 Wohl dem, den du, HErr, züchtigst und lehrst ihn durch dein Gesetz,
94,13 daß er Geduld habe, wenn’s übel geht, bis dem Gottlosen die Grube bereitet werde!
94,14 Denn der HErr wird sein Volk nicht verstoßen noch sein Erbe verlassen.
94,15 Denn Recht muss doch Recht bleiben, und dem werden alle frommen Herzen zufallen.
94,16 Wer steht bei mir wider die Boshaften? Wer tritt zu mir wider die Übeltäter?
94,17 Wo der HErr mir nicht hülfe, so läge meine Seele schier in der Stille.
94,18 Ich sprach: Mein Fuß hat gestrauchelt; aber deine Gnade, HErr, hielt mich.
94,19 Ich hatte viel Bekümmernisse in meinem Herzen; aber deine Tröstungen ergötzten meine Seele.
94,20 Du wirst ja nimmer eins mit dem schädlichen Stuhl, der das Gesetz übel deutet.
94,21 Sie rüsten sich wider die Seele des Gerechten und verdammen unschuldig Blut.
94,22 Aber der HErr ist mein Schutz; mein Gott ist der Hort meiner Zuversicht.
94,23 Und er wird ihnen ihr Unrecht vergelten und wird sie um ihre Bosheit vertilgen; der HErr, unser Gott, wird sie vertilgen.

Psalm 95
95,1 Kommt herzu, lasst uns dem HErrn frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!
95,2 Lasset uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!
95,3 Denn der HErr ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.
95,4 Denn in seiner Hand ist, was unten in der Erde ist; und die Höhen der Berge sind auch sein.
95,5 Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht; und seine Hände haben das Trockene bereitet.
95,6 Kommt, lasst uns anbeten und knieen und niederfallen vor dem HErrn, der uns gemacht hat.
95,7 Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. Heute, so ihr seine Stimme höret,
95,8 so verstocket euer Herz nicht, wie zu Meriba geschah, wie zu Massa in der Wüste,
95,9 da mich eure Väter versuchten, mich prüften und sahen mein Werk.
95,10 Vierzig Jahre hatte ich Mühe mit diesem Volk und sprach: Es sind Leute, deren Herz immer den Irrweg will und die meine Wege nicht lernen wollen;
95,11 daß ich schwur in meinem Zorn: Sie sollen nicht zu meiner Ruhe kommen.

Psalm 96
96,1 Singet dem HErrn ein neues Lied; singet dem HErrn, alle Welt!
96,2 Singet dem HErrn und lobet seinen Namen; verkündiget von Tag zu Tage sein Heil!
96,3 Erzählet unter den Heiden seine Ehre, unter allen Völkern seine Wunder.
96,4 Denn der HErr ist groß und hoch zu loben, wunderbar über alle Götter.
96,5 Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der HErr hat den Himmel gemacht.
96,6 Es stehet herrlich und prächtig vor ihm und gehet gewaltig und löblich zu in seinem Heiligtum.
96,7 Ihr Völker, bringet her dem HErrn, bringet her dem HErrn Ehre und Macht.
96,8 Bringet her dem HErrn die Ehre seines Namens; bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe!
96,9 Betet an den HErrn in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!
96,10 Saget unter den Heiden, daß der HErr König sei und habe sein Reich, soweit die Welt ist, bereitet, daß es bleiben soll, und richtet die Völker recht.
96,11 Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich; das Meer brause und was darinnen ist;
96,12 das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; und lasset rühmen alle Bäume im Walde
96,13 vor dem HErrn; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.

Psalm 97
97,1 Der HErr ist König; des freue sich das Erdreich und seien fröhlich die Inseln, soviel ihrer sind.
97,2 Wolken und Dunkel ist um ihn her; Gerechtigkeit und Gericht ist seines Stuhles Festung.
97,3 Feuer geht vor ihm her und zündet an umher seine Feinde.
97,4 Seine Blitze leuchten auf den Erdboden; das Erdreich siehet’s und erschrickt.
97,5 Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem HErrn, vor dem Herrscher des ganzen Erdbodens.
97,6 Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Ehre.
97,7 Schämen müssen sich alle, die den Bildern dienen und sich der Götzen rühmen. Betet ihn an, alle Götter!
97,8 Zion hört es und ist froh; und die Töchter Judas sind fröhlich, HErr, über dein Regiment.
97,9 Denn du, HErr, bist der Höchste in allen Landen; du bist hoch erhöht über alle Götter.
97,10 Die ihr den HErrn liebet, hasset das Arge! Der HErr bewahrt die Seelen seiner Heiligen; von der Gottlosen Hand wird er sie erretten.
97,11 Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den frommen Herzen.
97,12 Ihr Gerechten freuet euch des HErrn und danket ihm und preiset seine Heiligkeit!

Psalm 98
98,1 Ein Psalm. Singet dem HErrn ein neues Lied; denn er tut Wunder. Er siegt mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
98,2 Der HErr lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern lässt er seine Gerechtigkeit offenbaren.
98,3 Er gedenkt an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
98,4 Jauchzet dem HErrn, alle Welt; singet, rühmet und lobet!
98,5 Lobet den HErrn mit Harfen, mit Harfen und Psalmen!
98,6 Mit Drommeten und Posaunen jauchzet vor dem HErrn, dem König!
98,7 Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdboden und die darauf wohnen.
98,8 Die Wasserströme frohlocken, und alle Berge seien fröhlich
98,9 vor dem HErrn; denn er kommt das Erdreich zu richten. Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit Recht.

Psalm 99
99,1 Der HErr ist König, darum zittern die Völker; er sitzt auf den Cherubim, darum bebt die Welt.
99,2 Der HErr ist groß zu Zion und hoch über alle Völker.
99,3 Man danke deinem großen und wunderbaren Namen, der da heilig ist.
99,4 Im Reich dieses Königs hat man das Recht lieb. Du gibst Frömmigkeit, du schaffest Gericht und Gerechtigkeit in Jakob.
99,5 Erhebet den HErrn, unsren Gott, betet an zu seinem Fußschemel; denn er ist heilig.
99,6 Mose und Aaron unter seinen Priestern und Samuel unter denen, die seinen Namen anrufen, sie riefen an den HErrn, und er erhörte sie.
99,7 Er redete mit ihnen durch eine Wolkensäule; sie hielten seine Zeugnisse und Gebote, die er ihnen gab.
99,8 Herr, du bist unser Gott, du erhörtest sie; du, Gott, vergabst ihnen und straftest ihr Tun.
99,9 Erhöhet den HErrn, unsren Gott, und betet an zu seinem heiligen Berge; denn der HErr, unser Gott, ist heilig.

Psalm 100
100,1 Ein Dankpsalm. Jauchzet dem HErrn, alle Welt!
100,2 Dienet dem HErrn mit Freuden; kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!
100,3 Erkennet, daß der HErr Gott ist! Er hat uns gemacht – und nicht wir selbst – zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
100,4 Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen!
100,5 Denn der HErr ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

Psalm 101
101,1 Ein Psalm Davids. Von Gnade und Recht will ich singen und dir, HErr, lobsagen.
101,2 Ich handle vorsichtig und redlich bei denen, die mir zugehören, und wandle treulich in meinem Hause.
101,3 Ich nehme mir keine böse Sache vor; ich hasse den Übertreter und lasse ihn nicht bei mir bleiben.
101,4 Ein verkehrtes Herz muss von mir weichen; den Bösen leide ich nicht.
101,5 Der seinen Nächsten heimlich verleumdet, den vertilge ich; ich mag den nicht, der stolze Gebärde und hohen Mut hat.
101,6 Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande, daß sie bei mir wohnen; und habe gerne fromme Diener.
101,7 Falsche Leute halte ich nicht in meinem Hause; die Lügner gedeihen nicht bei mir.
101,8 Jeden Morgen will ich vertilgen alle Gottlosen im Lande, daß ich alle Übeltäter ausrotte aus der Stadt des HErrn.

Psalm 102
102,1 Ein Gebet des Elenden, so er betrübt ist und seine Klage vor dem HErrn ausschüttet.
102,2 HErr, höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen!
102,3 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!
102,4 Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch, und meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand.
102,5 Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, daß ich auch vergesse, mein Brot zu essen.
102,6 Mein Gebein klebt an meinem Fleisch vor Heulen und Seufzen.
102,7 Ich bin gleich wie eine Rohrdommel in der Wüste; ich bin gleich wie ein Käuzlein in den verstörten Stätten.
102,8 Ich wache und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.
102,9 Täglich schmähen mich meine Feinde; und die mich verspotten, schwören bei mir.
102,10 Denn ich esse Asche wie Brot und mische meinen Trank mit Weinen
102,11 vor deinem Drohen und Zorn, daß du mich aufgehoben und zu Boden gestoßen hast.
102,12 Meine Tage sind dahin wie ein Schatten, und ich verdorre wie Gras.
102,13 Du aber, HErr, bleibst ewiglich und dein Gedächtnis für und für.
102,14 Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen; denn es ist Zeit, daß du ihr gnädig seist, und die Stunde ist gekommen.
102,15 Denn deine Knechte wollten gerne, daß sie gebaut würde, und sähen gerne, daß ihre Steine und Kalk zugerichtet würden,
102,16 daß die Heiden den Namen des HErrn fürchten und alle Könige auf Erden dein Ehre,
102,17 daß der HErr Zion baut und erscheint in seiner Ehre.
102,18 Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht.
102,19 Das werde geschrieben auf die Nachkommen; und das Volk, das geschaffen soll werden, wird den HErrn loben.
102,20 Denn er schaut von seiner heiligen Höhe, und der HErr sieht vom Himmel auf die Erde,
102,21 daß er das Seufzen des Gefangenen höre und losmache die Kinder des Todes,
102,22 auf daß sie zu Zion predigen den Namen des HErrn und sein Lob zu Jerusalem,
102,23 wenn die Völker zusammenkommen und die Königreiche, dem HErrn zu dienen.
102,24 Er demütigt auf dem Wege meine Kraft; er verkürzt meine Tage.
102,25 Ich sage: Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage! Deine Jahre währen für und für.
102,26 Du hast vormals die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk.
102,27 Sie werden vergehen, aber du bleibest. Sie werden alle veralten wie ein Gewand; sie werden verwandelt wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst.
102,28 Du aber bleibest, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.
102,29 Die Kinder deiner Knechte werden bleiben, und ihr Same wird vor dir gedeihen.

Psalm 103
103,1 Ein Psalm Davids. Lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
103,2 Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
103,3 der dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
103,4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
103,5 der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.
103,6 Der HErr schafft Gerechtigkeit und Gericht allen, die Unrecht leiden.
103,7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.
103,8 Barmherzig und gnädig ist der HErr, geduldig und von großer Güte.
103,9 Er wird nicht immer hadern noch ewiglich Zorn halten.
103,10 Er handelt nicht mit uns nach unsren Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.
103,11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten.
103,12 So ferne der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
103,13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HErr über die, so ihn fürchten.
103,14 Denn er kennt, was für ein Gemächte wir sind; er gedenkt daran, daß wir Staub sind.
103,15 Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Feld;
103,16 wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.
103,17 Die Gnade aber des HErrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind
103,18 bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, daß sie darnach tun.
103,19 Der HErr hat seinen Stuhl im Himmel bereitet, und sein Reich herrscht über alles.
103,20 Lobet den HErrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seine Befehle ausrichtet, daß man höre auf die Stimme seines Wortes!
103,21 Lobet den HErrn, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!
103,22 Lobet den HErrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den HErrn, meine Seele!

Psalm 104
104,1 Lobe den HErrn, meine Seele! HErr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.
104,2 Licht ist dein Kleid, das du anhast; du breitest aus den Himmel wie einen Teppich;
104,3 du wölbest es oben mit Wasser; du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und gehst auf den Fittichen des Windes;
104,4 der du machst Winde zu deinen Engeln und zu deinen Dienern Feuerflammen;
104,5 der du das Erdreich gegründet hast auf seinem Boden, daß es bleibt immer und ewiglich.
104,6 Mit der Tiefe decktest du es wie mit einem Kleide, und Wasser standen über den Bergen.
104,7 Aber von deinem Schelten flohen sie, von deinem Donner fuhren sie dahin.
104,8 Die Berge gingen hoch hervor, und die Täler setzten sich herunter zum Ort, den du ihnen gegründet hast.
104,9 Du hast eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht und dürfen nicht wiederum das Erdreich bedecken.
104,10 Du lässest Brunnen quellen in den Gründen, daß die Wasser zwischen den Bergen hinfließen,
104,11 daß alle Tiere auf dem Felde trinken und das Wild seinen Durst lösche.
104,12 An denselben sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen.
104,13 Du feuchtest die Berge von obenher; du machst das Land voll Früchte, die du schaffest;
104,14 du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, daß du Brot aus der Erde bringest,
104,15 und daß der Wein erfreue des Menschen Herz, daß seine Gestalt schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke;
104,16 daß die Bäume des HErrn voll Saft stehen, die Zedern Libanons, die er gepflanzt hat.
104,17 Daselbst nisten die Vögel, und die Reiher wohnen auf den Tannen.
104,18 Die hohen Berge sind der Gemsen Zuflucht, und die Steinklüfte der Kaninchen.
104,19 Du hast den Mond gemacht, das Jahr darnach zu teilen; die Sonne weiß ihren Niedergang.
104,20 Du machst Finsternis, daß es Nacht wird; da regen sich alle wilden Tiere,
104,21 die jungen Löwen, die da brüllen nach dem Raub und ihre Speise suchen von Gott.
104,22 Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon und legen sich in ihre Höhlen.
104,23 So geht dann der Mensch aus an seine Arbeit und an sein Ackerwerk bis an den Abend.
104,24 HErr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.
104,25 Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt’s ohne Zahl, große und kleine Tiere.
104,26 Daselbst gehen die Schiffe; da sind Walfische, die du gemacht hast, daß sie darin spielen.
104,27 Es wartet alles auf dich, daß du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.
104,28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gut gesättigt.
104,29 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder zu Staub.
104,30 Du lässest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du erneuest die Gestalt der Erde.
104,31 Die Ehre des HErrn ist ewig; der HErr hat Wohlgefallen an seinen Werken.
104,32 Er schaut die Erde an, so bebt sie; er rührt die Berge an, so rauchen sie.
104,33 Ich will dem HErrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.
104,34 Meine Rede müsse ihm wohl gefallen. Ich freue mich des HErrn.
104,35 Der Sünder müsse ein Ende werden auf Erden, und die Gottlosen nicht mehr sein. Lobe den HErrn, meine Seele! Halleluja!

Psalm 105
105,1 Danket dem HErrn und prediget seinen Namen; verkündiget sein Tun unter den Völkern!
105,2 Singet von ihm und lobet ihn; redet von allen seinen Wundern!
105,3 Rühmet seinen heiligen Namen; es freue sich das Herz derer, die den HErrn suchen!
105,4 Fraget nach dem HErrn und nach seiner Macht, suchet sein Antlitz allewege!
105,5 Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat, seiner Wunder und der Gerichte seines Mundes,
105,6 ihr, der Same Abrahams, seines Knechtes, ihr Kinder Jakobs, seine Auserwählten!
105,7 Er ist der HErr, unser Gott; er richtet in aller Welt.
105,8 Er gedenkt ewiglich an seinen Bund, des Wortes, das er verheißen hat auf tausend Geschlechter,
105,9 den er gemacht hat mit Abraham, und des Eides mit Isaak;
105,10 und stellte es Jakob zu einem Rechte und Israel zum ewigen Bunde
105,11 und sprach: „Dir will ich das Land Kanaan geben, das Los eures Erbes,”
105,12 da sie wenig und gering waren und Fremdlinge darin.
105,13 Und sie zogen von Volk zu Volk, von einem Königreiche zum andern Volk.
105,14 Er ließ keinen Menschen ihnen Schaden tun und strafte Könige um ihretwillen.
105,15 „Tastet meine Gesalbten nicht an und tut meinen Propheten kein Leid!”
105,16 Und er ließ Teuerung ins Land kommen und entzog allen Vorrat des Brots.
105,17 Er sandte einen Mann vor ihnen hin; Joseph ward zum Knecht verkauft.
105,18 Sie zwangen seine Füße in den Stock, sein Leib musste in Eisen liegen,
105,19 bis daß sein Wort kam und die Rede des HErrn ihn durchläuterte.
105,20 Da sandte der König hin und ließ ihn losgeben; der HErr über Völker hieß ihn herauslassen.
105,21 Er setzte ihn zum Herrn über sein Haus, zum Herrscher über alle seine Güter,
105,22 daß er seine Fürsten unterwiese nach seiner Weise und seine Ältesten Weisheit lehrte.
105,23 Und Israel zog nach Ägypten, und Jakob ward ein Fremdling im Lande Hams.
105,24 Und er ließ sein Volk sehr wachsen und machte sie mächtiger denn ihre Feinde.
105,25 Er verkehrte jener Herz, daß sie seinem Volk gram wurden und dachten, seine Knechte mit List zu dämpfen.
105,26 Er sandte seinen Knecht Mose, Aaron, den er hatte erwählt.
105,27 Dieselben taten seine Zeichen unter ihnen und seine Wunder im Lande Hams.
105,28 Er ließ Finsternis kommen und machte es finster; und sie waren nicht ungehorsam seinen Worten.
105,29 Er verwandelte ihre Wasser in Blut und tötete ihre Fische.
105,30 Ihr Land wimmelte Frösche heraus in den Kammern ihrer Könige.
105,31 Er sprach: da kam Ungeziefer, Stechmücken in all ihr Gebiet.
105,32 Er gab ihnen Hagel zum Regen, Feuerflammen in ihrem Lande
105,33 und schlug ihre Weinstöcke und Feigenbäume und zerbrach die Bäume in ihrem Gebiet.
105,34 Er sprach: da kamen Heuschrecken und Käfer ohne Zahl.
105,35 Und sie fraßen alles Gras in ihrem Lande und fraßen die Früchte auf ihrem Felde.
105,36 Er schlug alle Erstgeburt in Ägypten, alle Erstlinge ihrer Kraft.
105,37 Und er führte sie aus mit Silber und Gold; und war kein Gebrechlicher unter ihren Stämmen.
105,38 Ägypten ward froh, daß sie auszogen; denn ihre Furcht war auf sie gefallen.
105,39 Er breitete eine Wolke aus zur Decke und ein Feuer, des Nachts zu leuchten.
105,40 Sie baten: da ließ er Wachteln kommen; und er sättigte sie mit Himmelsbrot.
105,41 Er öffnete den Felsen: da floß Wasser heraus, daß Bäche liefen in der dürren Wüste.
105,42 Denn er gedachte an sein heiliges Wort, das er Abraham, seinem Knechte, hatte geredet.
105,43 Also führte er sein Volk aus in Freuden und seine Auserwählten in Wonne
105,44 und gab ihnen die Länder der Heiden, daß sie die Güter der Völker einnahmen,
105,45 auf daß sie halten sollen seine Rechte und seine Gesetze bewahren. Halleluja!

Psalm 106
106,1 Halleluja! Danket dem HErrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
106,2 Wer kann die großen Taten des HErrn ausreden und alle seine löblichen Werke preisen?
106,3 Wohl denen, die das Gebot halten und tun immerdar recht!
106,4 HErr, gedenke mein nach der Gnade, die du deinem Volk verheißen hast; beweise uns deine Hilfe,
106,5 daß wir sehen mögen die Wohlfahrt deiner Auserwählten und uns freuen, daß es deinem Volk wohl geht, und uns rühmen mit deinem Erbteil.
106,6 Wir haben gesündigt samt unsren Vätern; wir haben missgehandelt und sind gottlos gewesen.
106,7 Unsre Väter in Ägypten wollten deine Wunder nicht verstehen; sie gedachten nicht an deine große Güte und waren ungehorsam am Meer, am Schilfmeer.
106,8 Er half ihnen aber um seines Namens willen, daß er seine Macht bewiese.
106,9 Und er schalt das Schilfmeer: da ward’s trocken, und führte sie durch die Tiefen wie in einer Wüste
106,10 und half ihnen von der Hand des, der sie hasste, und erlöste sie von der Hand des Feindes;
106,11 und die Wasser ersäuften ihre Widersacher, daß nicht einer übrig blieb.
106,12 Da glaubten sie an seine Worte und sangen sein Lob.
106,13 Aber sie vergaßen bald seiner Werke; sie warteten nicht auf seinen Rat.
106,14 Und sie wurden lüstern in der Wüste und versuchten Gott in der Einöde.
106,15 Er aber gab ihnen ihre Bitte und sandte ihnen genug, bis ihnen davor ekelte.
106,16 Und sie empörten sich wider Mose im Lager, wider Aaron, den Heiligen des HErrn.
106,17 Die Erde tat sich auf und verschlang Dathan und deckte zu die Rotte Abirams,
106,18 und Feuer ward unter ihrer Rotte angezündet, die Flamme verbrannte die Gottlosen.
106,19 Sie machten ein Kalb am Horeb und beteten an das gegossene Bild
106,20 und verwandelten ihre Ehre in ein Gleichnis eines Ochsen, der Gras frisst.
106,21 Sie vergaßen Gottes, ihres Heilands, der so große Dinge in Ägypten getan hatte,
106,22 Wunder im Lande Hams und schreckliche Werke am Schilfmeer.
106,23 Und er sprach, er wolle sie vertilgen, wo nicht Mose, sein Auserwählter, in den Riss getreten wäre vor ihm, seinen Grimm abzuwenden, auf daß er sie nicht gar verderbte.
106,24 Und sie verachteten das liebe Land, sie glaubten seinem Wort nicht
106,25 und murrten in ihren Hütten; sie gehorchten der Stimme des HErrn nicht.
106,26 Und er hob auf seine Hand wider sie, daß er sie niederschlüge in der Wüste
106,27 und würfe ihren Samen unter die Heiden und zerstreute sie in die Länder.
106,28 Und sie hingen sich an den Baal-Peor und aßen von den Opfern der toten Götzen
106,29 und erzürnten ihn mit ihrem Tun; da brach auch die Plage unter sie.
106,30 Da trat Pinehas herzu und schlichtete die Sache; da ward der Plage gesteuert.
106,31 Das ward ihm gerechnet zur Gerechtigkeit für und für ewiglich.
106,32 Und sie erzürnten ihn am Haderwasser, und Mose ging es übel um ihretwillen.
106,33 Denn sie betrübten ihm sein Herz, daß ihm etliche Worte entfuhren.
106,34 Auch vertilgten sie die Völker nicht, wie sie doch der HErr geheißen hatte;
106,35 sondern sie mengten sich unter die Heiden und lernten derselben Werke
106,36 und dienten ihren Götzen; die wurden ihnen zum Fallstrick.
106,37 Und sie opferten ihre Söhne und ihre Töchter den Teufeln
106,38 und vergossen unschuldig Blut, das Blut ihrer Söhne und ihrer Töchter, die sie opferten den Götzen Kanaans, daß das Land mit Blutschulden befleckt ward;
106,39 und verunreinigten sich mit ihren Werken und wurden abgöttisch mit ihrem Tun.
106,40 Da ergrimmte der Zorn des HErrn über sein Volk, und er gewann einen Greuel an seinem Erbe
106,41 und gab sie in die Hände der Heiden, daß über sie herrschten, die ihnen gram waren.
106,42 Und ihre Feinde ängsteten sie; und sie wurden gedemütigt unter ihre Hände.
106,43 Er errettete sie oftmals; aber sie erzürnten ihn mit ihrem Vornehmen und wurden wenig um ihrer Missetat willen.
106,44 Und er sah ihre Not an, da er ihre Klage hörte,
106,45 und gedachte an seinen Bund, den er mit ihnen gemacht hatte; und es reute ihn nach seiner großen Güte,
106,46 und er ließ sie zur Barmherzigkeit kommen vor allen, die sie gefangen hatten.
106,47 Hilf uns, HErr, unser Gott, und bringe uns zusammen aus den Heiden, daß wir danken deinem heiligen Namen und rühmen dein Lob.
106,48 Gelobet sei der HErr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen, halleluja!